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Kunde und Finanzvertrieb
Principal-Agent-Problem (2/3)



Aber nun lassen Sie uns annehmen, dass einige sehr schnell redende Helfer die Familie Steinreich angehen und jedes ihrer Mitglieder dazu überreden, seine Verwandten durch geschicktes Kaufen und Verkaufen zu überlisten. Die Helfer willigen liebenswürdigerweise ein, diese cleveren Transaktionen zu übernehmen - gegen Gebühr natürlich. Die Steinreichs besitzen immer noch alle Unternehmen im Land, die Transaktionen ändern nur, wem innerhalb der Familie was gehört.

So nimmt der jährliche Gewinn der gesamten Familie Steinreich ab, also die Summe der Unternehmensgewinne minus der an die Helfer bezahlten Gebühren. Je mehr die Familienmitglieder handeln „lassen“, desto kleiner ist ihr Anteil am Gesamtgewinn und desto größer ist der Anteil, den die Helfer erhalten. Es ist offensichtlich für diese Makler-Helfer: Aktivität ist ihr Freund und diese Verhaltensweise drücken sie vielfältig dem Kunden auf.

Nach einer Weile merken nun die meisten Familienmitglieder, dass es nicht so gut läuft bei diesem „Überliste meinen Bruder-Spiel“. Also gehen sie zu einer anderen Art von Helfern. Diese Neulinge erklären jedem Mitglied des Steinreich-Clans einzeln, dass dieses selbst - und allein - den Rest der Familie nie überlisten werden. Die vorgeschlagene Abhilfe: „Stellen Sie einen Manager – Ja, uns – ein und lassen Sie die Arbeit von Profis erledigen.“

Diese Manager-Helfer fahren fort, die schon vorhandenen Makler-Helfer zu nutzen, um die Transaktionen weiter durchzuführen. Insgesamt steigert sich die Aktivität durch die Manager sogar noch, so dass es den Maklern noch besser geht. Jetzt existieren schon zwei Klassen von Helfern, die beide gut entlohnt werden wollen.

Die Enttäuschung der Familie Steinreich wächst. Jedes Familienmitglied beschäftigt jetzt Angestellte. Doch die Finanzen der Gruppe haben insgesamt eine Wendung zum Schlechteren genommen. Die Lösung? Mehr Hilfe natürlich!
Diese kommt in Form von Finanzvertrieben und institutionellen Beratern daher, die sich berufen fühlen, die Steinreichs zu beraten, um die richtigen Manager auszuwählen. Die inzwischen völlig vernebelte Familie begrüßt diese Hilfe. Inzwischen haben die Familienmitglieder durch die Helfer gelernt (und leider verinnerlicht), dass sie weder die richtigen Aktien noch die richtigen Aktienmanager auswählen können.

An dieser Stelle könnte man fragen: „Warum in aller Welt, sollten die Steinreichs nun erfolgreich den richtigen Berater auswählen?“ Aber diese Frage stellen sich die Steinreichs nicht, die Berater-Helfer tun alles, um diese Frage zu vermeiden.

Die Steinreichs, die jetzt drei Klassen von teuren Helfern unterstützen, stellen fest, dass ihre Ergebnisse schlechter werden. Die Verzweiflung steigt. Aber genau jetzt, als alle Hoffnung stirbt, erscheint eine vierte Gruppe von Helfern - die Hyper-Helfer. Diese freundlichen Leute erklären den Steinreichs, dass die unbefriedigenden Ergebnisse dadurch entstehen, dass die vorhandenen Helfer – Makler, Manager, Berater – nicht genügend motiviert sind.

"Was, fragen die neuen Helfer, "können Sie von solchen Anfängern erwarten?" Die Neuan-kömmlinge bieten eine atemberaubend einfache Lösung an: Bezahlen Sie mehr Geld! Vor Selbstvertrauen strotzend, behaupten die Hyper-Helfer, dass hohe variable Ausschüttungen zusätzlich zu den feststehenden Gebühren nötig sind, damit jedes Familienmitglied seine Verwandten wirklich ausmanövrieren kann.

Die aufmerksameren Mitglieder der Familie bemerken, dass manche der Hyper-Helfer wirklich nur Manager-Helfer sind. Sie tragen aber neue Uniformen und haben neue sexy Namen wie „Hedgefonds“ oder „Private Equity“. Die neuen Helfer sichern jedoch den Steinreichs zu, dass diese Änderung der Kleidung entscheidend ist und ihren Trägern magische Kräfte erweist. Dies sei so ähnlich wie bei Clark Kent, wenn er sein Superman-Kostüm trägt. Beruhigt von dieser Erklärung, beschließt die Familie zu zahlen.

Dies ist ziemlich genau die Situation von heute: Ein Rekordanteil des Verdiensts, der komplett zu den Aktionären gehen würde, wandert jetzt zu einer immer größer werdenden Armee von „Helfern“. Dabei müssten die Aktionäre einfach nur in ihren Schaukelstühlen sitzen bleiben und die Unternehmenswerte wachsen lassen. Besonders teuer ist die neue Pandemie von Gewinnbeteiligungen, bei denen diese Helfer große Teile des Gewinnes erhalten, wenn sie clever sind oder einfach Glück haben.

Für die Familie Steinreich bleiben die gesamten Verluste, wenn die Helfer kein Glück bei der Spekulation haben oder dumm (manchmal auch link) sind. Familie Steinreich zahlt außerdem natürlich die immer größeren fixen Gebühren.

Die hohe Anzahl von Verträgen wie diese – die Helfer nehmen einen hohen Anteil vom möglichen Gewinn; den Steinreichs bleiben die Verluste und dürfen auch noch bezahlen für dieses Privileg – führt dazu, dass man die Familie nun besser „Warreich“ nennen sollte. Natürlich hat es Sinn, zu versuchen mehr Rendite zu erwirtschaften, denn alle Anleger in Deutschland bilden eben keine große Familie. Aber dabei werden die hier beschriebenen Helfer keine Unterstützung sein, da sie vor allem an den Umschichtungen verdienen...

 

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Börsenbrief  für den DAX,
Gold, Silber und Rohstoffe

 

 Gewinnentwicklung 

Wertentwicklung Börsenbrief für DAX, Gold, Silber und Rohstoffe

 

Börsenbrief mit
folgender Gewinnentwicklung:

  seit 01.04.2006      124,72%
  01.04. - 31.12.06      20,04 %
  01.01. - 31.12.07      28,33 %
  01.01. - 31.12.08     -15,73 %
  01.01. - 31.12.09      30,59 %
  01.01. - 31.12.10      61,14 %
  01.01. - 31.12.11        7,95
%
  01.01. - 31.12.12        0,00
%

  01.01. - 31.12.13     -31,67 %
  01.01. - 31.12.14        1,31 %
    01.01. -  heute            9,93 %        

 


 

Aus 1.000,00 Euro

Anfangskapital
am 01. April 2006

wurden

bis zum 06. Februar 2015

2.247,15 Euro. 

 

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